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Die Entwicklung sprachdiagnostischer Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte im Rahmen einer Weiterbildung - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Die Entwicklung sprachdiagnostischer Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte im Rahmen einer Weiterbildung - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Tobias Ruberg, Monika Rothweiler
Sprachbeobachtung gilt als wesentliche Voraussetzung für eine gezielte Sprachförderung. Die Studie untersucht, inwiefern frühpädagogische Fachkräfte den grammatischen Entwicklungsstand ein- und mehrsprachiger Kinder einschätzen können und ob sie diese Kompetenzen ggf. im Rahmen einer Weiterbildung erwerben bzw. erweitern können. Untersucht wurden 15 Erzieherinnen und Erzieher, die an einer einjährigen Weiterbildung teilnahmen sowie eine Kontrollgruppe von 13 Erzieherinnen und Erziehern, die im Untersuchungszeitraum an keiner Weiterbildung teilnahmen. Unmittelbar vor Beginn der Weiterbildung sowie nach Abschluss der Weiterbildung wurden das Wissen über Sprache, das Können im Bereich Sprachbeobachtung sowie die Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenzen im Bereich Sprachbeobachtung erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fachkräfte im Bereich Sprachbeobachtung vor und nach Abschluss der Weiterbildung gut einschätzen. Allerdings waren nur die weitergebildeten Fachkräfte nach Abschluss der Weiterbildung in der Lage, den grammatischen Entwicklungsstand von Kindern anhand relevanter Kategorien einzuschätzen und ihr Wissen über Sprache zu verbessern. Grundlegende Kompetenzen im Bereich Sprache und Sprachbeobachtung können somit selbst bei erfahrenen frühpädagogischen Fachkräften nicht vorausgesetzt, aber im Rahmen einer umfangreichen Weiterbildung erworben werden. Um den Kompetenzzuwachs in diesem Bereich zu evaluieren, sind Selbsteinschätzungen ungeeignet.
Die Erfassung stimmbezogener Lebensqualität (VrQoL) - ein systematisches Review publizierter Assessments - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Die Erfassung stimmbezogener Lebensqualität (VrQoL) - ein systematisches Review publizierter Assessments - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Sandra Salm, Johannes Hartrampf, Sandra Neumann
Die Erfassung der Lebensqualität von Kindern und Erwachsenen hat sich in der klinisch-sprachtherapeutischen Forschung als Outcome Measure international etabliert. Das systematische Review verfolgt das Ziel, (inter)national verfügbare Messinstrumente speziell zur stimmbezogenen Lebensqualität (VrQoL) unabhängig von der Altersgruppe zu identifizieren. Es wurden elektronische Datenbanken (z. B. PubMed, Web of Science) durchsucht. Zur Datenextraktion wurden neben den Studiencharakteristika die identifizierten Instrumente und ihre Eigenschaften erfasst. Es konnten insgesamt 129 Artikel in die systematische Übersicht eingeschlossen werden, davon 18 bei kindlicher VrQoL. Die Subpopulationen umfassten Menschen mit nicht näher bezeichneter Dysphonie, Stimmlippenlähmung sowie Patienten nach Laryngektomie. Zweiundzwanzig standardisierte VrQoL-Instrumente (5 für Kinder, 17 für Erwachsene) wurden identifiziert. Im Deutschen liegen die folgenden acht Assessments vor: CSHI/MSHI (Fussi, 2005), SSI (VHI-12) (Nawka & Gonnermann, 2003), SVHI (Cohen et al., 2007), TVQMtF (Dacakis et al., 2013), VHI (Jacobson et al., 1997), VHI-9 (Nawka et al., 2009) sowie V-RQOL (Hogikyan & Sethuraman, 1999). Eine große Breite an Instrumenten wurde in den Studien eingesetzt. Deutschsprachige Assessments liegen ausreichend für Erwachsene mit Stimmstörungen vor, während die Implementierung von Instrumenten zur kindlichen VrQoL ein Forschungsdesiderat darstellt.
Die Existenz des Genitivs in der deutschen Kindersprache - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Die Existenz des Genitivs in der deutschen Kindersprache - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Tanja Ulrich, Hans-Joachim Motsch
Die in der Forschungsliteratur vertretene Annahme, dass der Genitiv für den Spracherwerb deutscher Kinder keine Rolle (mehr) spiele, hat dazu geführt, dass die Fähigkeit zur Genitivmarkierung aus diagnostischen Erhebungsverfahren sowie Fördermaßnahmen weitgehend ausgespart blieb. Empirische Untersuchungen, die diese Annahme stützen, existierten bislang jedoch nicht. Im Rahmen des Beitrags soll daher erstmals die Korrektheit der Genitivmarkierung bei spracherwerbenden deutschen Kindern systematisch dokumentiert werden. Die Daten wurden im Rahmen des Forschungsprojekts GED 4-9 erhoben. Die Stichprobe umfasste N = 968 monolingual deutsch aufwachsende Kinder im Alter zwischen 4;0 und 8;11 Jahren. Die Fähigkeit, den Genitiv zu markieren, wurde im Rahmen einer spielerischen Erhebungssituation an jeweils acht Items evoziert. Die Antworten der Kinder wurden quantitativ sowie qualitativ im Hinblick auf bestimmte Fehlermuster ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass deutschsprachige Kinder sehr wohl über die Fähigkeit verfügen, den Genitiv korrekt zu markieren. Pränominale Genitivattribute werden bereits im Vorschulalter überwiegend korrekt verwendet. Mit Eintritt in das Schulalter nimmt auch die Korrektheit für potentiell anspruchsvollere Genitivstrukturen – postnominale Attribute sowie präpositional zugewiesene Genitive – deutlich zu. Die Fähigkeit, den Genitiv markieren zu können, stellt nach wie vor einen Teil der Sprachkompetenz deutschsprachiger Kinder dar. Der zunehmende Kontakt mit Schrift- und Bildungssprache im unterrichtlichen Kontext scheint sich unterstützend auf den Erwerbsprozess auszuwirken.
Graphen der Lernverlaufsdiagnostik interpretieren und anwenden - Leseförderung mit der Onlineverlaufsmessung Levumi - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Graphen der Lernverlaufsdiagnostik interpretieren und anwenden - Leseförderung mit der Onlineverlaufsmessung Levumi - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Jana Jungjohann, Kirsten Diehl, Andreas Mühling, Markus Gebhardt
Viele Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf entwickeln Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich. Dies hat zur Folge, dass insbesondere der Leseerwerb einer pädagogischen Aufbereitung bedarf. In dieser pädagogischen Arbeit bietet der problemlösende Ansatz der Lernverlaufsdiagnostik (engl. Curriculum-Based Measurement) Lehrkräften eine Unterstützung bei der Überprüfung der Effektivität ihres Unterrichts durch kurze und leicht handhabbare Tests. Diese Unterstützung kann durch weiterführende Materialien (z. B. Interpretationshilfen, Fördermaterialien) bestärkt werden. Für eine erfolgreiche Etablierung der Lernverlaufsdiagnostik und der damit verbundenen computergestützten Testsysteme in der Praxis müssen die aus dem Schulsystem bedingten Anforderungen berücksichtigt werden. Dieser Beitrag thematisiert literaturbasiert die Chancen und Grenzen bei der Implementation der Lernverlaufsdiagnostik in der pädagogischen Praxis. Dafür werden digitale Testsysteme, die Perspektive der Lehrkräfte sowie Schwierigkeiten bei der Interpretation von Lernverlaufsgraphen fokussiert betrachtet. Als Praxisbeispiel wird das Angebot der kostenlosen Onlineplattform Levumi (www.levumi.de), ihre Lernverlaufstests im Bereich Lesen, die Interpretation der Klassen- und Individualgraphen und Fördermaterialien vorgestellt. Damit sich der Ansatz der Lernverlaufsdiagnostik in Deutschland im inklusiven Schulsystem etablieren kann, müssen Barrieren durch Kosten oder einen fehlenden technischen Support abgebaut werden. Zusätzlich können adaptive Testsysteme die Leseförderung durch automatisierte Empfehlungen von Fördermaterialien, schülergerechte Rückmeldungen und Analysen der Kompetenzprofile der Schüler den Unterricht bereichern.
Sprachförderbedarf von Jugendlichen mit Sprachentwicklungsstörungen (SES) beim Übergang von der Schule in den Beruf - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Sprachförderbedarf von Jugendlichen mit Sprachentwicklungsstörungen (SES) beim Übergang von der Schule in den Beruf - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Anja K. Theisel, Susanne Wagner
Sprachentwicklungsstörungen (SES) gelten als Störungsbilder der Kindheit. Es gibt gleichwohl deutliche Evidenz dafür, dass sprachliche Beeinträchtigungen bis ins Jugend- und Erwachsenenalter persistieren können. Die Studie zeigt, dass es nachweisbare persistierende sprachliche Einschränkungen auch am Ende der Sekundarstufe beim Übergang in die Berufsausbildung gibt und diskutiert die Art der Einschränkungen. 85 Kinder und Jugendliche mit einer Historie von Sprachentwicklungsstörungen und 11 Jugendliche mit anderen sprachlichen Auffälligkeiten absolvierten die Leipziger Testbatterie zur Messung des formal-sprachlichen Entwicklungsstands bei Jugendlichen (LTB-J, BBW Leipzig, 2008). Die Ergebnisse machen deutlich, dass viele Jugendliche mit SES-Historie in ihren sprachlichen Leistungen unterhalb der Normwerte für Hauptschüler liegen. Insbesondere die Subtests zu den Nachsprechleistungen (Nachsprechen von Pseudowörtern, von Sätzen und von Kunstwortsätzen) bleiben unterdurchschnittlich. Auch im Vergleich zu Jugendlichen mit anderen Störungen von Sprechen bzw. Sprache erreichen Jugendliche mit SES signifikant schlechtere Leistungen. Die Störungsbilder von 15- und 18-Jährigen unterscheiden sich kaum voneinander. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit einer spezifischen Diagnostik beim Übergang von der Schule in den Beruf und die Bereitstellung von Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen der Berufsausbildung.
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