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Benennungsgeschwindigkeit und Lesen - Forschung Sprache 1/2018 - dgs
Benennungsgeschwindigkeit und Lesen - Forschung Sprache 1/2018 - dgs
Andreas Mayer
Zahlreiche Forschungsarbeiten aus unterschiedlichen Ländern legen nahe, dass die Benennungsgeschwindigkeit (synonym: naming speed, rapid automatized naming = RAN) in engem Zusammenhang mit schriftsprachlichen Kompetenzen steht und ihr hinsichtlich der Prognose schriftsprachlicher Kompetenzen eine bedeutende Rolle zukommt. Noch nicht vollständig geklärt ist die Frage, welchen Einfluss die Benennungsgeschwindigkeit auf unterschiedliche Teilkompetenzen des Schriftspracherwerbs hat und wie sich die Zusammenhänge zwischen RAN und der Lesefähigkeit erklären lassen. Der Beitrag versucht eine Antwort darauf zu geben, ob sich zwischen der Benennungsgeschwindigkeit und der Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit für echte Wörter und Pseudowörter sowie dem Leseverständnis auf Satz- und Textebene unterschiedliche Zusammenhänge nachweisen lassen und ob diese im Laufe der Grundschulzeit einer Veränderung unterworfen sind. Zudem soll geklärt werden, ob sich der Zusammenhang zwischen RAN und Lesen durch die Zugriffsgeschwindigkeit auf Einträge im phonologischen Lexikon und/oder die visuelle Verarbeitungsgeschwindigkeit erklären lässt.
Die Entwicklung sprachdiagnostischer Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte im Rahmen einer Weiterbildung - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Die Entwicklung sprachdiagnostischer Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte im Rahmen einer Weiterbildung - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Tobias Ruberg, Monika Rothweiler
Sprachbeobachtung gilt als wesentliche Voraussetzung für eine gezielte Sprachförderung. Die Studie untersucht, inwiefern frühpädagogische Fachkräfte den grammatischen Entwicklungsstand ein- und mehrsprachiger Kinder einschätzen können und ob sie diese Kompetenzen ggf. im Rahmen einer Weiterbildung erwerben bzw. erweitern können. Untersucht wurden 15 Erzieherinnen und Erzieher, die an einer einjährigen Weiterbildung teilnahmen sowie eine Kontrollgruppe von 13 Erzieherinnen und Erziehern, die im Untersuchungszeitraum an keiner Weiterbildung teilnahmen. Unmittelbar vor Beginn der Weiterbildung sowie nach Abschluss der Weiterbildung wurden das Wissen über Sprache, das Können im Bereich Sprachbeobachtung sowie die Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenzen im Bereich Sprachbeobachtung erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fachkräfte im Bereich Sprachbeobachtung vor und nach Abschluss der Weiterbildung gut einschätzen. Allerdings waren nur die weitergebildeten Fachkräfte nach Abschluss der Weiterbildung in der Lage, den grammatischen Entwicklungsstand von Kindern anhand relevanter Kategorien einzuschätzen und ihr Wissen über Sprache zu verbessern. Grundlegende Kompetenzen im Bereich Sprache und Sprachbeobachtung können somit selbst bei erfahrenen frühpädagogischen Fachkräften nicht vorausgesetzt, aber im Rahmen einer umfangreichen Weiterbildung erworben werden. Um den Kompetenzzuwachs in diesem Bereich zu evaluieren, sind Selbsteinschätzungen ungeeignet.
Die Erfassung stimmbezogener Lebensqualität (VrQoL) - ein systematisches Review publizierter Assessments - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Die Erfassung stimmbezogener Lebensqualität (VrQoL) - ein systematisches Review publizierter Assessments - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Sandra Salm, Johannes Hartrampf, Sandra Neumann
Die Erfassung der Lebensqualität von Kindern und Erwachsenen hat sich in der klinisch-sprachtherapeutischen Forschung als Outcome Measure international etabliert. Das systematische Review verfolgt das Ziel, (inter)national verfügbare Messinstrumente speziell zur stimmbezogenen Lebensqualität (VrQoL) unabhängig von der Altersgruppe zu identifizieren. Es wurden elektronische Datenbanken (z. B. PubMed, Web of Science) durchsucht. Zur Datenextraktion wurden neben den Studiencharakteristika die identifizierten Instrumente und ihre Eigenschaften erfasst. Es konnten insgesamt 129 Artikel in die systematische Übersicht eingeschlossen werden, davon 18 bei kindlicher VrQoL. Die Subpopulationen umfassten Menschen mit nicht näher bezeichneter Dysphonie, Stimmlippenlähmung sowie Patienten nach Laryngektomie. Zweiundzwanzig standardisierte VrQoL-Instrumente (5 für Kinder, 17 für Erwachsene) wurden identifiziert. Im Deutschen liegen die folgenden acht Assessments vor: CSHI/MSHI (Fussi, 2005), SSI (VHI-12) (Nawka & Gonnermann, 2003), SVHI (Cohen et al., 2007), TVQMtF (Dacakis et al., 2013), VHI (Jacobson et al., 1997), VHI-9 (Nawka et al., 2009) sowie V-RQOL (Hogikyan & Sethuraman, 1999). Eine große Breite an Instrumenten wurde in den Studien eingesetzt. Deutschsprachige Assessments liegen ausreichend für Erwachsene mit Stimmstörungen vor, während die Implementierung von Instrumenten zur kindlichen VrQoL ein Forschungsdesiderat darstellt.
Die Existenz des Genitivs in der deutschen Kindersprache - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Die Existenz des Genitivs in der deutschen Kindersprache - Forschung Sprache 2/2018 - dgs
Tanja Ulrich, Hans-Joachim Motsch
Die in der Forschungsliteratur vertretene Annahme, dass der Genitiv für den Spracherwerb deutscher Kinder keine Rolle (mehr) spiele, hat dazu geführt, dass die Fähigkeit zur Genitivmarkierung aus diagnostischen Erhebungsverfahren sowie Fördermaßnahmen weitgehend ausgespart blieb. Empirische Untersuchungen, die diese Annahme stützen, existierten bislang jedoch nicht. Im Rahmen des Beitrags soll daher erstmals die Korrektheit der Genitivmarkierung bei spracherwerbenden deutschen Kindern systematisch dokumentiert werden. Die Daten wurden im Rahmen des Forschungsprojekts GED 4-9 erhoben. Die Stichprobe umfasste N = 968 monolingual deutsch aufwachsende Kinder im Alter zwischen 4;0 und 8;11 Jahren. Die Fähigkeit, den Genitiv zu markieren, wurde im Rahmen einer spielerischen Erhebungssituation an jeweils acht Items evoziert. Die Antworten der Kinder wurden quantitativ sowie qualitativ im Hinblick auf bestimmte Fehlermuster ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass deutschsprachige Kinder sehr wohl über die Fähigkeit verfügen, den Genitiv korrekt zu markieren. Pränominale Genitivattribute werden bereits im Vorschulalter überwiegend korrekt verwendet. Mit Eintritt in das Schulalter nimmt auch die Korrektheit für potentiell anspruchsvollere Genitivstrukturen – postnominale Attribute sowie präpositional zugewiesene Genitive – deutlich zu. Die Fähigkeit, den Genitiv markieren zu können, stellt nach wie vor einen Teil der Sprachkompetenz deutschsprachiger Kinder dar. Der zunehmende Kontakt mit Schrift- und Bildungssprache im unterrichtlichen Kontext scheint sich unterstützend auf den Erwerbsprozess auszuwirken.
Einfluss Unterstützter Kommunikation auf die sprachlichen Fähigkeiten von 3 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf - Forschung Sprache 1/2018 - dgs
Einfluss Unterstützter Kommunikation auf die sprachlichen Fähigkeiten von 3 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf - Forschung Sprache 1/2018 - dgs
Helga Justh
Kinder mit einer angeborenen schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung sind häufig in ihrer kommunikativen Entwicklung eingeschränkt und kaum in der Lage, sich sprachlich auszudrücken. Erfolgt im Rahmen der logopädischen Therapie keine Entwicklung der Verbalsprache, müssen ihnen kommunikationsunterstützende Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden, um ihnen die aktive Teilhabe an ihrem sozialen Umfeld zu ermöglichen. In diesem Artikel wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss unterstützende Kommunikationsformen auf bestimmte sprachliche Funktionen haben. Zu diesem Zweck wurden drei Kinder während einer festgelegten Unterrichtseinheit gefilmt. Das Filmmaterial wurde an Hand eines speziell für die Probanden entwickelten Beobachtungsschemas ausgewertet. Die Daten wurden quantifiziert und intrasubjektiv interpretiert. Es zeigte sich, dass die Probandin mit Infantiler Zerebralparese einfache Kommunikationsinhalte vorwiegend gebärdenunterstützt kommunizierte und für die Übermittlung komplexer Aussagen bildunterstützte Kommunikation verwendete. Die Schülerin und der Schüler mit Störungen aus dem Autismusspektrum hingegen drückten sich großteils, auch bei einfachen Kommunikationsfunktionen, bildunterstützt aus. Daraus wurde geschlossen, dass die Bereitstellung eines multimodalen Kommunikationssystems insbesondere für Personen mit großer sozialer Kompetenz eine wichtige Grundlage für die sprachliche Ausdrucksfähigkeit darstellt. Für Menschen mit Störungen aus dem Autismusspektrum ist bildunterstützte Kommunikation eine Möglichkeit, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und Handlungsabläufe zu strukturieren, wodurch Sprachentwicklung möglich wird.
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